Teilauszug meiner Lebensgeschichte

Also, wie schon gesagt: Am 13. November 2014 verstarb ich auf eigenen Wunsch..

Ich hatte mir absichtlich, willentlich und wissentlich eine Blutvergiftung zugefügt, da ich überhaupt keinen Sinn im Leben mehr sah.

Meine Frau, mit der ich über 21 Jahre lang verheiratet war und die ich über alles liebte, hatte mich verlassen.

(… bis dass der Tod euch scheide??? Das klingt für mich inzwischen wie blanker Hohn… Ich verstarb doch erst Monate NACHDEM meine Frau von mir weggegangen war.

Demnach hat definitif NICHT der Tod uns geschieden (!!!)

Ja, halten Sie mich ruhig für altmodisch (Grufti – Skeletti – Komposti). Für mich haben eben „alte“ Werte immer noch eine große Bedeutung und einen hohen Stellenwert, ich kann mir nicht helfen…)

Ich glaubte eigentlich, alles zu haben: Eine Traum-Frau und einen Traum-Job (mit dem ich Unterhaltung und Erlebnis-Zauber auf höchstem Niveau aus Disneyland, Hollywood und der Show-Weltmetropole Las Vegas für Jedermann zugänglich machen konnte). Was will man denn noch mehr im Leben…

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Wir hatten uns am Stadtrand ein wunderschönes, idyllisches (mit frei auf der Wiese grasenden Kühen und Pferden gleich beim Nachbarn nebenan) Grundstück mit 9.000m² gekauft, auf dem sich ein nigel-nagel-neues Wohnhaus mit 700m² Wohnfläche (und einer 80m² großen Terrasse) sowie eine ebenso neue 7m hohe Industriehalle mit 1.200m² Fläche befand.

Auch zwei Teiche mit je 50 und 15m² befanden sich darauf, sowie ein hübsches hölzernes Gartenhäuschen mit 3 m².

Umgeben war das gesamte Grundstück mit einer uneinsehbaren, 3m hohen, eleganten, weißen Kalksandstein Mauer.

Entlang der Mauer (etwa 2m daneben) plätscherte ein kleiner Bach.

Auf diesem Grundstück konnten wir unseren Interessenten sowohl eine Indoor-Show (bzw. Installation) als auch große Outdoor-Veranstaltungen live genau so vorführen, wie es später beim Kunden dann aussehen würde. Sogar unsere weltgrößte Wasserleinwand (Hydroschild) mit 30m Höhe und 90m Breite konnten wir live demonstrieren.

Als stark naturverbundener Mensch verliebte ich mich regelrecht in dieses Grundstück, auf dem sich auch mehrere Jahrzehnte alte, große, stämmige Bäume mit teilweise bis zu 2m Durchmesser sowie Sträucher befanden.

Wir hatten nicht nur unseren eigenen, ca. 80m² großen Gemüsegarten, sondern auch viele Obstbäume und -Sträucher.

Sogar wilde Fasane fühlten sich bei uns offensichtlich wohl.

Trotz der ländlichen Idylle hatten wir nur 15 Minuten zu Fuß bis zum Lidl und 25 Minuten zum Aldi.

Eine Bushaltestelle war nur 30m entfernt.

Wir fühlten uns glücklich und pudelwohl dort.

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Meine geliebte Frau war für mich immer meine kleine Prinzessin gewesen… Von Anfang an.

Sie war der einzige Mensch auf der Welt, dem ich uneingeschränkt, dem ich absolut vertraute. Nicht nur zu 100 Prozent, sondern weit darüber hinaus.

Bei dem ich mich geborgen, verstanden und sicher fühlte. Mein Ein und Alles.

Wir hatten zusammen die Welt bereist, gingen gemeinsam durch Dick und Dünn, meisterten Hand in Hand riesige Probleme und extreme Herausforderungen, erlebten gute und schlechte Zeiten. 21 Jahre lang…

(Jeder Mensch hat eine Wirbelsäule, doch Renate war mein Rückgrat! Mein Berater, meine Stütze, meine rechte Hand und zuverlässige Entscheidungs-Helferin – ohne sie hätte ich NIE (gar niemals nie nicht) das erreicht, was ich alles erreicht habe. NIE!!!)

In meiner dummen, kindlichen Naivität dachte ich, solche Erlebnisse schweissen zwei Menschen stark zusammen – und jetzt war sie plötzlich von einem Tag auf den anderen weg…

Das zog mir komplett den Boden unter den Füßen weg und fühlte sich für mich buchstäblich wie der sprichwörtliche Schlag mit einem dicken, großen, schweren Balken mitten in’s Gesicht an. Monate lang war ich vollkommen benommen und konnte wortwörtlich keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Die gesamte mir bis zu diesem Zeitpunkt bekannte und vertraute Welt brach für mich wie ein Scherbenhaufen in sich zusammen, in tausende und abertausende winzig kleine Einzelteile.

So ein Erlebnis wird mir nun für immer versagt bleiben... Ich bin fassungslos
(So ein schönes Erlebnis wird mir nun für immer versagt bleiben… Ich bin fassungslos)

Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand gesagt, Kühe hätten eine grüne Farbe oder Zwei plus Zwei sei Sieben – ich hätte es ohne mit der Wimper zu zucken auf Anhieb, ohne zu zweifeln, geglaubt. Wirklich!!!

Ich fühlte mich buchstäblich wie in einem bitterbösen, grausamen Albtraum, der einfach kein Ende nehmen wollte und war grenzenlos verstört und gründlich verwirrt.

Es fühlte sich für mich an, als würde ich in ein tiefes, schwarzes, bodenloses großes Loch fallen – bei vollem Bewusstsein. Ich fiel und fiel hilflos, immer tiefer und tiefer, und es nahm einfach kein Ende. Monate lang. Eine nicht enden wollende Situation, auf die ich keinerlei Einfluss nehmen konnte, egal was ich auch machte. Und es war einfach kein Ende in Sicht.

(so sehr sehne ich mich danach, im Alter eine solche Liebe zu geniessen - doch es wird ein unerfüllter Wunschtraum bleiben)
(so sehr sehne ich mich danach, im Alter eine solche Liebe zu geniessen – doch es wird ein unerfüllter Wunschtraum bleiben)

(Da ich offensichtlich viel dümmer und naiver bin, als ich aussehe, habe ich einen riesigen, verhängnisvollen und schwerwiegenden Fehler begangen:

Damit meine geliebte Frau für den Fall, daß mir etwas zustößt, „versorgt“ wäre, ließ ich das ganze oben beschriebene Grundstück notariell auf sie schreiben.

Und Sie ahnen es wohl schon:

Während die Ärzte im Krankenhaus um mein Leben kämpften, verkaufte sie das Grundstück weit – wirklich sehr weit – unter Wert. Ein weiterer Punkt, der mich ohnmächtig vor Schmerz machte…).

Verwandte und gute Freunde kümmerten sich liebevoll und fürsorglich um mich, insbesondere meine langjährigen Freunde Asmus Uwe „Sonny Crockett“ Winter (seit über 30 Jahren mein allerbester Freund und verantwortlich für sehr Vieles, was ich im Leben erreicht habe!) und Peter Kinold (Chef und Inhaber der Kinold Messegesellschaft – genau wie Asmus ein unglaublich lieber, verrückter und ausgeflippter Kerl).

Bis heute kann ich nicht sagen, was mich schlimmer, tiefer verletzt, niedergeschlagen und getroffen hat: Der Weggang meiner Frau oder der Tod meiner Mutter, als ich acht Jahre und neun Monate alt war…

Ohne meine geliebte Frau konnte und wollte ich nicht mehr leben. Sie war meine erste und einzige Freundin, meine große Liebe, mein Ein und Alles, und noch weit vor meinem heiß und innig geliebten Unternehmen mein Lebenszweck, mein Lebensmittelpunkt, mein Lebenssinn und mein Lebensinhalt gewesen.

(ist es nicht schön, im Alter noch so sehr verliebt zu sein? Ich kann mir nichts - rein gar nichts - schöneres vorstellen; und für mich bleibt all dies für immer unerfüllt...)
(ist es nicht schön, im Alter noch so sehr verliebt zu sein? Ich kann mir nichts – rein gar nichts – schöneres vorstellen; und für mich bleibt all dies für immer unerfüllt…)

(Und auch auf die Gefahr hin, dass Sie mich für komplett bescheuert halten: Ich habe immer noch eine unbändige, unkontrollierbare Sehnsucht nach ihr! Häufig weine ich deswegen hemmungslos über Stunden hinweg…)

Doch aus mir bis heute unerklärlichen, mysteriösen Gründen und einer merkwürdigen, seltsamen Verkettung eigenartiger, nicht nachvollziehbarer Zufälle wurde ich leblos am Boden liegend aufgefunden.

Ich hatte eigentlich alles minuziös perfekt geplant und vorbereitet, und TROTZDEM fand man mich… Sehr merkwürdig, eigenartig und für mich unverständlich (war ja mein Selbstmord kein „Hilferuf“ gewesen (an wen denn auch? Das würde meine Frau auch nicht mehr zurückbringen), wie es Hobby-Psychologen häufig in ihrem Leichtsinn beschreiben, sondern sollte für mich das endgültige Aus und Ende sein nach dem Computerspiele-Prinzip „Game Over – Das Spiel ist vorbei und unwiderruflich für immer verloren. Keine Wiederholung möglich.“)…

Entgegen meiner Monate langen Bitten (denn ich plante ja alles gewissenhaft und akribisch lange im Voraus), „im Falle eines Falles“ auf gar keinen Fall Notarzt oder Rettungswagen zu rufen, alarmierte man gegen meinen ausdrücklichen Willen trotzdem die Notrufstelle.

Ich hatte darüber hinaus extremen Diabetes Typ 2 mit Werten nüchtern zwischen 550 und 650 (ja, ich weiß, da ist man normaler weise schon im Koma – doch offensichtlich hatte sich mein Körper im Laufe der Jahre irgendwie an den hohen Blutzuckerwert gewöhnt).

Als Ergebnis der Blutvergiftung bekam ich multiples Organversagen im Endstadium.

Meine Leber hatte aufgehört zu funktionieren, ebenso meine Nieren, und auch mein Herz blieb stehen. Meine Atmung setzte aus, und auch mein Gehirn zeigte keinerlei Aktivitäten mehr (das wurde mir alles später vom Krankenhauspersonal erzählt).

Außerdem hatte ich zum Zeitpunkt meines Abtransports ins Krankenhaus einen Blutzuckerwert von angeblich 950.

Sowohl im Rettungswagen als auch im Krankenhaus begann man mit den Wiederbelebungs-Maßnahmen. Doch den mich bgleitenden Personen erzählten fünf Ärzte, die diese Reanimations-Versuche durchführten, übereinstimmend, dass ich eine Lebens-Chance von Null Prozent (0%) hätte. Also auf gut Deutsch: Nichts mehr zu machen, der kommt nicht mehr in’s Leben zurück. Endgültig tot. Aus und vorbei.

Warum und wieso ich dennoch wieder ins Leben zurückgeholt werden konnte, habe ich bis heute nicht so richtig erfahren. Alle, die ich fragte, erklärten mir mit einem freundlich-verschmitzten Lächeln und Augenzwinkern: „Da oben wollte wohl jemand nicht, dass Sie tot bleiben“.

Angeblich hatte ich 16 (in Worten: sechzehn) Infusionsschläuche, die in meinen Körper eingeführt waren. Und da an meinen Armen scheinbar nicht mehr ausreichend Platz für all die Infusionen war, schnitt ein Chirurg weitere Zugänge in meinen Brustkasten.

Personen, die mich damals auf der Intensivstation besuchten, erzählten mir später, dass sie nicht einmal im Fernsehen gesehen hätten, dass jemand an so viele Geräte und Computer angeschlossen war wie ich.

Nach drei Monaten im Koma wachte ich dann irgendwann auf, und nach weiteren zwei Monaten entließ man mich aus dem Krankenhaus.

Ich musste noch über Monate hinweg gefüttert werden, da ich meine Arme nicht heben konnte. Auch das Laufen musste ich später von Null auf mühsam wieder lernen – entsetzlich, diese Erfahrung. Als gesunder Mensch hat man gar keine Chance, nachzuvollziehen, wie bodenlos grausam die Erfahrung ist, dass man einfach nicht mehr laufen kann. Ich hätte damals vor lauter Verzweiflung und damit verbundener extremer Wut wie Rumpelstilzchen ungespitzt in den Boden einsinken können, so außer sich war ich!

Und angeblich hatte ich dann während meines dreimonatigen Komas auch noch einen Hirnschlag bekommen. Seither bin ich auf dem linken Auge komplett blind (ich kann nicht einmal erkennen ob es hell oder dunkel ist).

(ist das nicht wunderschön? Für mich ist es das Schönste auf der Welt...)
(ist das nicht wunderschön? Für mich ist es das Schönste auf der Welt…)

Meine Frau hatte in der Zwischenzeit einen anderen, 15 Jahre jüngeren Mann kennen gelernt und lebte mit ihm zusammen. Und auch einen großen Teil des Firmen-Equipments nahm sie einfach an sich. Bis heute kämpfe ich vor Gericht darum.

Das war jetzt schon das zweite (na ja, eigentlich sogar das dritte) Mal, dass ich dem Tod von der Schippe gesprungen bin (der Sensenmann muß wohl kochen vor Wut).

Denn im Alter von 19 Jahren erlitt ich als Beifahrer bei einem schweren Frontal-Zusammenstoß mit einem Tieflader (Sattelschlepper), der einen mehrere Tonnen schweren Bagger geladen hatte, einen Genickbruch. Der Aufprall war so stark, dass der Bagger auf dem LKW angeblich um einige Zentimeter verschoben wurde.

Normalerweise ist man bekanntlich bei so einem Unfall auf der Stelle tot (obwohl es außer mir auch noch andere Fälle gibt, bei denen Personen ebenfalls einen Genickbruch überlebt haben).

Die mich im Uni-Klinikum Innsbruck behandelnden Ärzte erklärten mir mit ernstem Gesichtsausdruck, dass es ein Wunder sei, wenn ich schon nicht am Genickbruch gestorben bin, dass ich nicht „wenigstens“ vom Hals abwärts gelähmt bin. Trotzdem würde ich wohl ein Leben lang ein Krüppel bleiben, hieß es (aufgrund einer am Kopf mit Schrauben befestigten sogenannten Crutchfield-Extension, die ununterbrochen, 24 Stunden am Tag, meine Wirbel auseinander zog)…

Und auch hier – die Ärzte begreifen immer noch nicht warum – stabilisierte sich mein Zustand aus unerklärlichen Gründen nach langer Zeit irgendwann so weit, dass ich heute wieder ein ganz normales Leben führen kann (mit einer kleinen Bewegungseinschränkung beim Drehen des Kopfes).

Sie dürfen mir glauben, dass ich beinahe täglich intensivst über alle diese Vorfälle nachdenke und grüble. Ich kann einfach nicht verstehen, was da eigentlich passiert ist… (zumal es am 21. Januar 2001 einen weiteren Vorfall gab, bei dem ich ebenfalls auf nicht nachvollziehbare, unerklärliche Weise überlebte – aber ich möchte Sie hier nicht weiter damit langweilen)

Obwohl ich mich für einen überdurchschnittlich gläubigen Menschen halte, glaube ich (aufgrund bestimmter Fakten) nicht daran, dass „jemand nicht will“ dass ich aus dem Leben scheide. Wer bin ich denn schon…

(Fortsetzung folgt)

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