Teilauszug meiner Lebensgeschichte

Also, wie schon gesagt: Am 13. November 2014 verstarb ich.

Ich hatte mir absichtlich, willentlich und wissentlich eine Blutvergiftung zugefügt, da ich überhaupt keinen Sinn im Leben mehr sah.

Meine Frau, mit der ich über 21 Jahre lang verheiratet war und die ich über alles liebte, hatte mich verlassen.

Ich glaubte eigentlich, alles zu haben: Eine Traum-Frau und einen Traum-Job. Was will man mehr… Sie war für mich immer meine kleine Prinzessin…

Wir hatten zusammen die Welt bereist, gingen gemeinsam durch Dick und Dünn, meisterten Hand in Hand riesige Probleme und Herausforderungen, erlebten gute und schlechte Zeiten. 21 Jahre lang…

(Jeder Mensch hat eine Wirbelsäule, doch Renate war mein Rückgrat! Mein Berater, meine Stütze, meine rechte Hand und zuverlässige Tipp-Geberin – ohne sie hätte ich NIE (gar niemals nie nicht) das erreicht, was ich alles erreicht habe. NIE!!!)

In meiner kindlichen Naivität dachte ich, sowas schweißt zusammen – und jetzt war sie von einem Tag auf den anderen weg…

Das zog mir komplett den Boden unter den Füßen weg und fühlte sich für mich buchstäblich wie der sprichwörtliche Schlag mit einem schweren Balken in’s Gesicht an. Monate lang war ich vollkommen benommen.

Verwandte und gute Freunde kümmerten sich liebevoll und fürsorglich um mich, insbesondere meine langjährigen Freunde Asmus Uwe „Sonny Crockett“ Winter (seit über 30 Jahren mein allerbester Freund und verantwortlich für vieles, was ich im Leben erreicht habe!) und Peter Kinold (Chef und Inhaber der Kinold Messegesellschaft – genau wie Asmus ein unglaublich lieber, verrückter und ausgeflippter Kerl).

Bis heute kann ich nicht sagen, was mich schlimmer verletzt und getroffen hat: Der Weggang meiner Frau oder der Tod meiner Mutter, als ich acht Jahre und neun Monate alt war…

Ohne meine geliebte Frau konnte und wollte ich nicht mehr leben. Sie war meine erste und einzige Freundin, mein Ein und Alles, und noch weit vor meinem heiß und innig geliebten Unternehmen mein Lebenszweck, mein Lebensmittelpunkt und mein Lebensinhalt gewesen.

(Und auch auf die Gefahr hin, dass Sie mich für komplett bescheuert halten: Ich habe immer noch eine unbändige, unkontrollierbare Sehnsucht nach ihr! Häufig weine ich deswegen hemmungslos über Stunden hinweg…)

Doch aus mir bis heute unerklärlichen Gründen und einer merkwürdigen Verkettung eigenartiger, nicht nachvollziehbarer Zufälle wurde ich leblos am Boden liegend gefunden.

Ich hatte eigentlich alles minuziös perfekt geplant und vorbereitet, und TROTZDEM fand man mich… Sehr merkwürdig…

Entgegen meiner Monate langen Bitten, „im Falle eines Falles“ auf gar keinen Fall Notarzt oder Rettungswagen zu rufen, alarmierte man gegen meinen ausdrücklichen Willen die Notrufstelle.

Ich hatte darüber hinaus extremen Diabetes Typ 2 mit Werten nüchtern zwischen 550 und 650 (ja, ich weiß, da ist man normaler weise schon im Koma – doch offensichtlich hatte sich mein Körper im Laufe der Jahre irgendwie an den hohen Blutzuckerwert gewöhnt).

Als Ergebnis der Blutvergiftung bekam ich multiples Organversagen im Endstadium.

Meine Leber hatte aufgehört zu funktionieren, ebenso meine Nieren, und auch mein Herz blieb stehen. Meine Atmung setzte aus, und auch mein Gehirn zeigte keinerlei Aktivitäten mehr (das wurde mir alles später vom Krankenhauspersonal erzählt).

Außerdem hatte ich zum Zeitpunkt meines Abtransports ins Krankenhaus einen Blutzuckerwert von angeblich 950.

Sowohl im Rettungswagen als auch im Krankenhaus begann man mit den Wiederbelebungs-Maßnahmen. Doch den mich bgleitenden Personen erzählten fünf Ärzte, die diese Maßnahmen durchführten, übereinstimmend, dass ich eine Lebens-Chance von Null Prozent (0%) habe. Also auf gut Deutsch: Nichts mehr zu machen, der kommt nicht mehr in’s Leben zurück. Endgültig tot.

Warum und wieso ich dennoch wieder ins Leben zurückgeholt werden konnte, habe ich bis heute nicht erfahren. Alle, die ich fragte, erklärten mir mit einem freundlich-verschmitzten Lächeln und Augenzwinkern: „Da oben wollte wohl jemand nicht, dass Sie tot bleiben“.

Angeblich hatte ich 16 (in Worten: sechzehn) Infusionsschläuche, die in meinen Körper eingeführt waren. Und da an meinen Armen scheinbar nicht ausreichend Platz für all die Infusionen war, schnitt ein Chirurg weitere Zugänge in meinen Brustkasten.

Personen, die mich damals auf der Intensivstation besuchten, erzählten mir später, dass sie nicht einmal im Fernsehen gesehen hätten, dass jemand an so viele Geräte und Computer angeschlossen war wie ich.

Nach drei Monaten im Koma wachte ich dann irgendwann auf, und nach weiteren zwei Monaten entließ man mich aus dem Krankenhaus.

Ich musste noch über Monate hinweg gefüttert werden, da ich meine Arme nicht heben konnte. Auch das Laufen musste ich später von Null auf mühsam wieder lernen – entsetzlich, diese Erfahrung.

Angeblich hatte ich während meines dreimonatigen Komas auch noch einen Hirnschlag bekommen. Seither bin ich auf dem linken Auge komplett blind (ich kann nicht einmal erkennen ob es hell oder dunkel ist).

Meine Frau hatte in der Zwischenzeit einen anderen, 15 Jahre jüngeren Mann kennen gelernt und lebte mit ihm zusammen. Und auch einen großen Teil des Firmen-Equipments nahm sie einfach an sich. Bis heute kämpfe ich vor Gericht darum.

Das war jetzt schon das zweite (na ja, eigentlich sogar das dritte) Mal, dass ich dem Tod von der Schippe gesprungen bin (der Sensenmann muß wohl kochen vor Wut).

Denn im Alter von 19 Jahren erlitt ich als Beifahrer bei einem schweren Frontal-Zusammenstoß mit einem Tieflader, der einen Tonnen schweren Bagger geladen hatte, einen Genickbruch. Der Aufprall war so stark, dass der Bagger auf dem LKW angeblich um einige Zentimeter verschoben wurde.

Normalerweise ist man bekanntlich bei so einem Unfall auf der Stelle tot (obwohl es außer mir auch noch andere Fälle gibt, bei denen Personen ebenfalls überlebt haben).

Die mich im Uni-Klinikum Innsbruck behandelnden Ärzte erklärten mir mit ernstem Gesichtsausdruck, dass es ein Wunder sei, wenn ich schon nicht am Genickbruch gestorben bin, dass ich nicht „wenigstens“ vom Hals abwärts gelähmt bin. Trotzdem würde ich wohl ein Leben lang ein Krüppel bleiben, hieß es …

Und auch hier – die Ärzte begreifen immer noch nicht warum – stabilisierte sich mein Zustand aus unerklärlichen Gründen irgendwann so weit, dass ich heute wieder ein ganz normales Leben führen kann (mit einer kleinen Bewegungseinschränkung beim Drehen des Kopfes).

Sie dürfen mir glauben, dass ich beinahe täglich intensivst über alle diese Vorfälle nachdenke und grüble. Ich kann einfach nicht verstehen, was da eigentlich passiert ist… (zumal es am 21. Januar 2001 einen weiteren Vorfall gab, bei dem ich ebenfalls auf nicht nachvollziehbare, unerklärliche Weise überlebte – aber ich möchte Sie hier nicht weiter damit langweilen)

Obwohl ich mich für einen überdurchschnittlich gläubigen Menschen halte, glaube ich (aufgrund bestimmter Fakten) nicht daran, dass „jemand nicht will“ dass ich aus dem Leben scheide. Wer bin ich denn schon…

(Fortsetzung folgt)

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